Mein Kollege Hans hat sich heute mal ganz besonders getraut und uns seine Begegnung mit der 3. Art geschildert. Vorab sollte man wissen: Hans ist relativ klein und im Kreise der Kollegen nennt man ihn liebevoll Fisch. Das hat zwei simple Hintergründe. Zuerst wäre da der leichte, aber dennoch unangenehme penetrante Geruch von einem Meerestier. Gepaart mit seiner rundlichen Erscheinung denkt man dann automatisch an einen Kugelfisch. Sicher trägt seine überdimensionierte Brille auch ihren Teil dazu bei. Anscheinend ist Fisch schon länger im Besitz dieser Brille. Unser Archivar hat mir mal erzählt, dass Hans die Brille schon seit mindestens 16 Jahren besitzt. Immerhin hat sich die Sehschwäche nicht verschlimmert, das erkennt man ganz gut an den zerkratzen Gläsern.
Kürzlich kommt Hans zu mir und erzählt mit gesenktem Haupt, dass er einen der Bauarbeiter gegrüßt hat, die hier bei uns auf dem Gelände neue Rohre verlegen, also es geht um die Kanalisation, nicht um unsere Mitarbeiterinnen. Genau der Bauarbeiter, der mich jeden morgen gegrüßt hat. Das habe ich Hans mal in der Pause erzählt, als er meinte, dass die Bauarbeiter doch so komisch sind. Er wurde bisher aber auch noch nie von denen gegrüßt – aber wer grüßt auch Fische.
An einem Dienstag nahm er also all seinen Mut zusammen und grüßte den freundlichen Bauarbeiter, der gerade dabei war ein Rohr zu verlegen, mit einem lockeren “Morgen!”, dieser erwiderte dann direkt “Morgen ist Mittwoch!”, lies Hans stehen, drehte sich um und arbeite einfach weiter.
Last but not least hat der Bauarbeiter den Spitznamen Mittwoch bekommen. Hans hingegen erhielt noch Freitag. Freitags Fisch, pfui. Auch möchte ich mit Freitag nicht auf einer einsamen Insel stranden.